Scale-Regattasegeln - wie funktioniert das?
So manch einer mag sich fragen, wie das Segeln von Regatten mit vorbildgetreuen Segelbooten funktionieren kann - schließlich sind die Boote ja sehr unterschiedlich, ein direktes Wettsegeln z. B. eines Gaffelsegler mit Langkiel gegen ein hochgezüchtetes America's Cup-Modell wird sicherlich nicht gerade fair sein.
Um diesem Umstand zu begegnen, haben sich die Macher des NSS-Regelwerks sich verschiedene Mechanismen einfallen lassen, um die Boote vergleichbar zu machen.
NSS-Klassen
Zunächst gibt es innerhalb der NNS unterschiedliche Klassen, in denen die grundlegend unterschiedlichen Bootstypen jeweils "unter sich" segeln (vereinfachte Aufstellung)
- NSS-A: hochgetakelte Boote
- NSS-B: gaffelgetakelte Boote
- NSS-C: Boote mit Rahsegeln und Sondertakelungen
- NSS-D: Mehrrumpfboote und Sonderantriebe (z. B. Flettner-Rotoren)
Praktische Bedeutung im Regatta-Geschehen haben dabei nur die NSS-A und NSS-B.
Rennwert
Innerhalb der jeweiligen Klassen werden die Boote über den so genannten Rennwert vergleichbar gemacht, über aus den grundlegenden leistungsrelevanten Parameter eines Bootes
- Wasserlinienlänge
- Segelfläche
- Verdrängung (Gewicht)
ein Faktor für die ersegelten Zeiten errechnet wird. Ein auf Grund der größeren Verdrängung nicht so schnell anspringender Langkieler erhält so z. B. gegenüber einem leichteren Schwertkieler mit gleicher Wasserlinienlänge und Verdrängung einen Bonus und darf daher für die gleiche Wertungszeit langsamer fahren.
Die Rennwertformel ist so ausgelegt, das das weit verbreitete vorbildähnliche Segelboot "Rubin" den Rennwert 1 erhält, der kleinste erreichbare Rennwert indes ist 0,75. Gegenüber einer Rubin dürfte ein Boot mit diesem Rennewert für dieselbe Wertungszeit also 25% langsamer fahren.
Du möchtest wissen, welchen Rennwert dein Segelboot in einer Regatta der NSS hat? Dann probier doch einmal unseren Rennwertrechner aus!
Die Bauwertung
Die bisher beschriebenen Mechanismen befassten sich nur mit der Vergleichbarkeit der Boote auf Grund der physikalischen Eigenschaften der jeweiligen Modelle. Bei Minisail-Regatten ohne Bauwertung, z. B. der Fühlinger See Regatta, wird ausschließlich nach diesen Regeln gefahren, und die Güte der Vorbildähnlichkeit außer Acht gelassen. Bei NSS-Regatten kommt als weiterer Faktor das Ergebnis der Bauwertung hinzu.
Im Vorfeld vor der Regatta werden hier alle Boote durch ein Gremium aus mehreren Schiedsrichtern bewertet. Vor allem relevant:
- Ausführung des Rumpfes bezogen auf das Vorbild
- Ausführung des Riggs bezogen auf das Vorbild
- Güte der Original-Dokumentation (Werftpläne, Fotos, ...)
- optischer Gesamteindruck
Alle Bewertungskategorien ergeben insgesamt eine Maximalpunktzahl von 100 Punkten. Die erreichten Baupunkte werden mit dem Rennwert (siehe oben) so verrechnet, das bei 0 Baupunkten der ursprüngliche Renwert erhalten bleibt, und sich bei 100 Punkten ein neuer Rennwert in der Höhe von 50% des ursprünglichen Werts ergibt (Stand Regelwerk 2010). Der so neu errechnete Rennwert inkl. Bauwertung wird nun als Faktor für die erreichten Zeiten verwendet, so dass ein besser gebautes Boot für die gleiche Wertungszeit langsamer fahren darf als ein schlechter gebautes Boot.
PS Fotos kommen noch