Einstieg in die Heli-Fliegerei

Grundbegriffe
Indoor Fixed Pitch Helis
Koaxial-Helis
LMH
Lehrer-Schüler-Betrieb
Flugsimulator
Trainingsgestell mit CP-Heli
Fazit

Einleitung

Königsklasse des Modellflugs - so wird die Heli-Fliegerei von vielen Modellfliegern genannt. Fliegen die meisten Modellflugzeuge noch eigenstabil und fangen sich selbst ab, wenn man die Knüppel loslässt (von falsch eingestellten Modellen und bewusst sehr neutral gebauten Modellen einmal abgesehen), so neigt ein Heli immer dazu, aus seiner Lage herauszukippen. Der Einstieg in diese Modellflugklasse darf also vom Aufwand her nicht unterschätzt werden. Jedoch sind in den letzten Jahren viele Möglichkeiten auf den Markt gekommen, die den Einstieg deutlich leichter machen. Diese werden hier im Folgenden neben den traditionellen Methoden vorgestellt. Doch zunächst einige Grundbegriffe vorneweg, die das Verständis des Folgetextes erleichtern.

Grundbegriffe

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Pitchart: collective Pitch <--> fixed Pitch

Grob kann man Helis in Modelle mit sog. kollektiver Blattverstellung sowie solche mit festem Anstellwinkel der Blätter unterteilen. Bei der kollektiven Blattverstellung (collective Pitch, kurz CP) dreht der Rotor im Regelfall immer mit einer festen Drehzahl, das Auf und Ab des Helis wird über den Anstellwinkel der Blätter gesteuert. Diese Methode hat den Vorteil, dass bei Änderung der Knüppelstellung  eine sofortige Reaktion erfolgt, da nur die Blätter gekippt werden, und der Motor nicht erst hoch- oder runterdrehen muss. Nachteilig ist der deutlich höhere mechanische Aufwand am Rotorkopf, so dass dieser komplizierter einzustellen sowie schneller kaputtzukriegen ist. Helis mit festem Einstellwinkel (fixed Pitch, kurz FP) sind mechanisch deutlich einfacher aufgebaut und steuern die Höhe über Drehzahländerungen des Rotors, d.h. langsam drehen = sinken, schnell drehen = steigen. Je schwerer die Komponenten und je schwächer der Motor im Verhältnis zum Gesamtgewicht, um so verzögerter erfolgt eine Reaktion auf das Steuerkommando. Außerdem ist die Reaktionsstärke auf die restlichen Steuerausschläge mehr oder weniger abhängig von der aktuellen Rotordrehzahl, so dass man im Steigflug besser steuern kann als im Sinkflug. Auf Grund der einfachen Mechanik überleben viele FP-Helis auch schon einmal einen Absturz ohne Schaden überleben und können eher von Anfängern eingestellt werden.

Bodeneffekt

Als Bodeneffekt bezeichnet man das durch den eigenen Rotorabwind erzeugte Luftwirbelkissen unter dem Heli. Je nach Modell kann diese Schicht durchaus über einen halben Meter gehen. Je nach Eigenstabilität ist ein Heli in dieser Schicht sehr unruhig zu fliegen. Gerade Anfänger bei neigen bei Schwebeflugübungen dazu, sich nur in diesen Höhen aufzuhalten und sich damit das Leben schwer zu machen.

Trainingsgestell

Vorrichtung zur Vergrößerung des Landegestells eines Helikopters. Bei kleinen Helis ein kleines Carbon-Kreuz mit Tischtennisbällen, bei großen Modellen meist ein Kreuz mit Hula-Hup-Reifen drumherum, verhindert ein solches Gestell das Umkippen des Helis bei schiefem Aufsetzen. Das Gestell muss bei hoher Stabilität möglichst leicht sein, um die Flugleistungen des Helis nicht zu stark zu beeinflussen.

Auf Grund des zusätzlichen Gewichtes bei relativ weit unten und außen liegender Masse wirkt sich ein solches Gestell zusätzlich stabilisierend auf die Fluglage aus, kann jedoch bei untermotorisierten Helis zu deutlichen Leistungseinbußen führen. Trotzdem nicht nur für das Training eine unabdingbare Hilfe, auch nach Einstellarbeiten ist ein Erstflug mit Trainingsgestell zur Endkontrolle nahezu Pflicht.

Einfache Einsteiger-Helis

Alle in diesem Bereich vorgestellten Helis haben die Eigenschaft, über einen FP-Rotorkopf zu verfügen.

Indoor Fixed-Pitch-Helis

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Kleine Helis um die 50cm Rotorspannweite mit einem Hauptrotor erfreuten sich vor einigen Jahren seit dem Erscheinen des Piccolo von Ikarus wachsender Beliebtheit. Positiv für einen Einsteiger ist vor allem das geringe Gewicht bei mechanisch einfachem Aufbau des Rotorkopfes, wodurch bei einem Absturz nicht unbedingt etwas kaputt geht. Der große Nachteil an der geringen Masse und Rotorspannweite ist, dass diese Helis meist sehr empfindlich zu fliegen sind und ständig aktiv in der richtigen Lage gehalten werden wollen. Durch die meist niedrigeren Drehzahlen im Vergleich zu gleich großen CP-Helis ist auch kein so starker Kreiseleffekt vorhanden, der dies teilweise kompensiert. Deshalb ist zum Einstieg ein Trainingsgestellt Pflicht, da ansonsten trotz der Robustheit mehr oder weniger teure Schäden nahezu vorprogrammiert sind. 

Fliegbar sind solche Helis eigentlich nur in geschlossenen Räumen, da der leichteste Wind mit Böen sie schnell aus der Lage wirft. Auch das Fliegen im eigenen Bodeneffekt gerät mit einem solchen Modell schnell zur Qual, weshalb man nach den ersten Hüpfern schnell dazu übergehen sollte, seine Übungen in mindestens 50cm Höhe abzuhalten.

Der Vorteil gegenüber den im Folgenden vorgestellten Koaxial-Helis ist jedoch die spätere Aufrüstbarkeit - einige Modelle lassen sich später auf einen Collective-Pitch-Kopf umbauen.

Koax-Helis 

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Die neuste Klasse unter den Einsteiger-Helis stellen die sog. Koaxial-Helis dar. Sie zeichnen sich durch einen doppelten Hauptrotor aus, wobei nur der untere Rotor über Servos für Nick und Roll angesteuert wird. Der obere Rotor ist durch einen Hebel mit einer "Paddelstange" mit Gewichten verbunden - eine Art mechanischer Kreisel, der das Modell beim Wegkippen in eine Richtung automatisch gegenlenkt. Dadurch ist ein Koax-Heli extrem eigenstabil. Lässt man den Knüppel eines guten Koaxial-Modells im Schwebeflug los, wird dieser trotz der geringen Rotorspannweite weitaus länger stabil auf seiner Position bleiben als ein mehrere Kilo schwerer "großer" Heli, länger als ein gleich großer FP-Heli jedoch allemal. Durch diese Eigenstabilisierung ist die Auswirkung des Bodeneffektes deutlich geringer als bei normalen Helis, so dass man auch in unmittelbarer Nähe zum Boden vergleichsweise gut üben kann, was die Ersatzteilkosten zu Beginn deutlich senken kann.

Doch auch aus etwas größerer Höhe geschieht bei leichten Abstürzen meist nichts oder relativ wenig, und wenn doch z. B. mal ein Blatt bricht, ist die Reparatur günstiger als bei einem "Großen". Blutige Anfänger sollten bei der Wahl ihres Koax-Helis jedoch unbedingt auf die Ersatzteilverfügbarkeit und -kosten achten, da sich ansonsten das vermeintlich gute Angebot schnell als Groschengrab herausstellen kann. Je nach Hersteller und System ergeben sich z. B. für Ersatzrotorblätter Preisunterschiede von über 400% (Gerade die bekannteren Hersteller langen gerne mal ordentlich zu, wenn es um Ersatzteile geht)! Hat man aus Versehen einen der Koaxe erworben, bei denen die Ersatzteilversorgung schwierig und teuer ist, lohnt sich ein Blick in die einschlägigen Foren, manchmal sind die Ersatzteile eines anderen Herstellers kompatibel.

Auch diese Helis sind nur bei wenig Wind draußen fliegbar, jedoch reagieren sie auf Grund der Selbststabilisierung bei weitem nicht so stark auf Böen. Da sie jedoch nicht so sportlich fliegbar sind wie einrotorige FP-Helis, begrenzt die geringe Vorwärtsgeschwindigkeit die Eignung bei stärkerem Wind.

Koax-Helis sind meistens im Komplett-Set mit der Fernsteuerung zu haben, und dabei oft günstiger als ein vernünftiger Indoor Fixed-Pitch-Heli.

LMH

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Irgendwo zwischen Koax-Helis und den "großen" RC-Helis angesiedelt ist der Lite Machines Heli. Er hat einen Fixed-Pitch Rotorkopf und ist - bezogen auf die Größe - sehr robust (z.B. durch flexible Rotorblätter). Z.B. der 120er LMH hat immerhin 77 cm, und ist dadurch besser im Freien zu fliegen sowie fliegt am ehesten wie ein "Großer". An böigen Tagen macht sich natürlich die fehlende kollektive Blattverstellung bemerkbar, so dass hier dem Fliegen irgendwann Grenzen gesetzt sind. Von allen drei vorgestellten Fixed-Pitch-Varianten lässt sich der LMH am sportlichsten fliegen, jedoch ist natürlich kein Rückenflug möglich ;).

Nachteilig an dieser Einstiegsvariante ist der jedoch mit mehreren hundert Euronen (je nach Ausstattung >500€) relativ teure Preis für einen guten LMH. Jedoch ist der Wiederverkaufswert eines LMHs normalerweise recht hoch - es besteht allerdings immer die akute Gefahr, dass man ihn nie wieder abgeben will ;).

Lehrer-Schüler-Betrieb

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Wer das Glück hat, einen erfahrenen Heli-Piloten im Verein oder Bekanntenkreis zu haben, sollte über Lehrer-Schüler-Betrieb nachdenken. Dabei werden zwei Sender i.d.R. über ein Kabel gekoppelt, der Lehrer verfügt dabei über einen Tastschalter, über den er die Funktionen ganz oder teilweise an den Schüler übergeben kann. Je nach Sendertyp können die Kanäle einzeln abgegeben werden, so dass der Schüler nicht gleich überfordert ist, oder auch z.B. nur 50% des Steuerweges, so dass der Lehrer ständig übersteuern kann. Lässt der Lehrer den Tastschalter los, so hat er die alleinige Steuergewalt. So kann man direkt auch mit einem schwieriger zu fliegenden Modell, z.B. einem CP-Heli beginnen.

Der Vorteil ist, dass der Lehrer dem Schüler nach und nach die Funktionen vermitteln kann, und im Gefahrenfall sofort die volle Kontrolle über das Modell erlangen kann. Außerdem kann er dem Schüler direkt Feedback zu etwaigen Fehlern geben.

Nachteilig für einen ambitionierten Heli-Neuling ist die starke Gebundenheit an den Lehrer, nur wenn beide Zeit haben, ist ein Training möglich. Überschätzt der Lehrende seine Fähigkeiten, besteht die Gefahr, dass er im Zweifelsfall zu spät übernimmt und es dadurch zu Schäden am Modell kommt.

Wer keinen Bekannten mit Heli-Erfahrung hat bzw. diesen nicht über längere Zeit für das Training einspannen will/kann, aber trotzdem über Lehrer-Schüler-Betrieb lernen will, für den bietet sich der Besuch einer Heli-Schule an. Hier kann über Intensivkurse die Heli-Fliegerei in einem Kurzurlaub vermittelt werden. Billig ist dies natürlich nicht. Viele Flugschulen bieten auch einzelne nach Erfahrungsstand gestaffelte Module bis hin zum 3D-Kunstflug an.

Flugsimulator

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Simulatoren sind neben dem Lehrer-Schüler-Betrieb die einzige Möglichkeit, gezielt Situationen zu trainieren, die in "freier Wildbahn" höchstwahrscheinlich zum Absturz führen würden.

Einige dieser Situationen - wie z.B. das Nasenschweben - kann man zwar auch mit Einsteiger(koax)helis vergleichsweise gefahrlos trainieren. Wer jedoch Kunstflug-Amitionen hegt, der sollte über einen Flugsimulator als Alternative ernsthaft nachdenken, da man hier z.B. auch Abfangmanöver aus (misslungenen?) Kunstflugmanövern, Rückenflug, Autorotation etc. trainieren kann.

Für den Simulator-Betrieb wird entweder der sonst auch verwendete Sender über Lehrer-Schüler-Interface an den Computer angeschlossen, oder es wird eine Sendernachbildung nur für den Simulator verwendet. Wer schon einen eigenen Sender mit LS-Buchse hat, sollte unbedingt diesen verwenden, da man sich hierdurch schon an die Haptik des eigenen Senders beim Heli-Fliegen gewöhnen kann.

Nachteilig an für ernsthaftes Heli-Training geeigneten Simulatoren ist der nicht gerade günstige Preis, z. B. für den aus meiner Sicht für die Heli-Fliegerei besten Simulator "Reflex XTR" 220 bis 250 €. Stellt man dem jedoch einige Crashs mit einem CP-Heli gegenüber und berücksichtigt die extrem steile Lernkurve, so hat sich ein Sim meistens sehr schnell gerechnet. Zu beachten ist jedoch, dass man i.d.R. nicht alle Manöver in real so gut hinbekommen wird wie im Sim, da dort auch die Psyche ein Wort mitzureden hat ;)

Trainingsgestell mit CP-Heli

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Für besonders mutige Heli-Anfänger bleibt noch die "gute alte Methode", das Lernen des Fliegens mit dem Trainingsgestell am endgültigen Wunsch-CP-Heli. Der Lernerfolg ist auf diese Weise recht gering, da man sich sehr langsam vorantasten muss, will man sein Modell nicht gefährden. Zudem neigen viele Anfänger dazu, sich bei den ersten Schwebeübungen ständig im Bodeneffekt aufzuhalten, was ihnen das Leben unnötig schwer macht. Üblicherweise verzichtet man auf das Trainingsgestell, sobald man stabil in den Schwebeflug zurückkehren kann, und übt alle Folgemanöver in großer Sicherheitshöhe.

Fazit

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Aus meiner Sicht ist der Einstieg mit einem schwierig zu fliegenden Heli unter Zuhilfenahme eines Trainingsgestells nur noch bedingt zeitgemäß - jedoch eine zu überlegende Alternative für geduldige Piloten, die sich sicher sind, dass sie bereits zu Beginn ihren Traumheli gefunden haben und bei dem Hobby bleiben wollen. Nach Möglichkeit sollte man sich in diesem Fall den Heli von einem erfahrenen Piloten einstellen lassen und sich ggf. per Lehrer-Schüler helfen lassen.

Gerade wenn man sich noch nicht sicher ist, ob man bei dem Hobby bleiben will, sollte man sich entweder einen Simulator anschaffen, der im Zweifelsfall auch einen guten Wiederverkaufswert hat, oder zu einem Koax-Heli greifen. Simulatoren sind für späteres Kunstflugtraining vorzuziehen, wer es jedoch eher gesellig mag und direkt etwas "reales" in der Hand haben will, sollte den Koax vorziehen. Hier bietet es sich gerade im Winter an, sich mit anderen Heli-Interessierten in einer Turnhalle o.ä. zu treffen und gemeinsam zu üben. Viele Vereine mieten im Winter mittlerweile fest Indoor-Flugmöglichkeiten an und freuen sich auch über Gastflieger. Steigt man später auf einen agileren CP-Heli um, wird man zwar sicherlich kurzfristig noch ein Trainingsgestell brauchen, hat jedoch schon einmal die Reflexe in die richtige Richtung erlernt.