Testbericht - Aurora 9 von Hitec/Multiplex

Einleitung
Preise
2,4 Ghz Übertragungsart
Lieferumfang
Die Optima-Empfänger
Bedienung / Menüführung
Telemetrie
Fazit

Einleitung

Vor dem Hintergrund der vorhandenen 35-Mhz-Technik habe ich lange Zeit gezögert, auf ein 2,4-Ghz-System umzustellen. Vor allem die höhere Übertragungssicherheit sowie die Möglichkeit, die Anlage künftig auch für das Segelbootfahren verwenden zu können, haben mich dann dazu bewogen, nun den Umstieg anzugehen. Die Wahl fiel dabei auf die Aurora 9 von Hitec, die u.a. bei Reichweitentests bestechende Ergebnisse liefert.

Die Resonanz der Anwender in den USA war nach der Einführung der Anlage dort überaus positiv, so dass ich mich auf Grund der Eigenschaften und des Preis-/Leistungsverhältnisses für diese in Deutschland noch recht junge Anlage entschieden habe. Vertrieben wird die Anlage in Deutschland von der Firma Multiplex. Vertrieben wird sie in Deutschland (anders als in den USA) neben Mode1 auch in Mode2-Rastung - was wie später beschrieben, jedoch absolut unnötig ist.


Preise zum Zeitpunkt des Testberichts

Artikel UVP Straßenpreis (ca. 07/2010)
Aurora 9 mit Optima 9-Empfänger 469,90 € 385 €
Optima 6-Empfänger59,90 €49 €
Optima 7-Empfänger89,90 €59 €
Optima 9-Empfänger129,90 €
89 €
HPP-22-Plus Programmer29,90 €29,90 €

2,4 Ghz Übertragungsart

Bei der Anschaffung eines 2,4 Ghz-Systems legen die meisten Anwender sicherlich ein besonderes Augenmerk auf die Übertragungsart, die zur Anwendung kommt. Bei der Aurora 9 kommt das so genannte AFHSS-Verfahren zum Einsatz, d.h. ein FHSS (Frequency Hopping Spread Spectrum)-Verfahren. Kennzeichen der FHSS-Verfahren ist, dass nach einem Pseudozufallsverfahren in kurzen Zeitabständen die Frequenz gewechselt wird. Außer Hitec findet dieses Verfahren z. B. bei den Sendemodulen von Futaba (FASST), ACT (Dual-FHSS), Weatronic, Jeti und Multiplex (M-Link) Anwendung. Das Übertragungsprotokoll ist meines Wissens nicht mit anderen Herstellern kompatibel.

Im Fall der Aurora 9 wird zwischen 20 Frequenzen gewechselt, die entweder beim ersten Binding festgelegt werden (Normal Mode), oder aber ständig die 20 saubersten Frequenzen beim Systemstart (Scan Mode). Im Normalfall reicht laut Anleitung der Normal Mode aus, der Scan Mode ist für Umgebungen mit extrem viel 2,4-Ghz-Verkehr vorgesehen. Nachteil des Scan Modes: Wird der Sender während des Flugs aus Versehen ausgeschaltet, so kann keine Verbindung mehr zum Empfänger hergestellt werden! Mir persönlich ist es jedoch noch nie passiert, dass ich aus Versehen einen Sender im Flug ausgeschaltet habe ;).

Die Empfänger kommen mit BODA (Boosted Omnidirectional Antenna)-System daher, einer Antennentechnik, die die Richtwirkung der Antennen nahezu eliminieren. Die 6- und 7-Kanal Empfänger mit einer Antenne erreichen daher auch mit einer Antenne vergleichbare Reichweiten wie andere Systeme im 2-Antennenbetrieb. Dies wurde neben der reinen Herstellerangabe auch von mehreren Besitzern im praktischen Vergleichstest (Bodenreichweiten mit "falsch" ausgerichteter Antenne > 1km). bestätigt. Der Optima 9-Empfänger, der für extrem große Reichweiten für Großmodelle ausgelegt ist, verfügt über 2 Antennen.

Lieferumfang

Das Komplettset gibt es entweder mit 7-Kanal, oder 9-Kanal-Empfänger. Da ich mindestens einen der großen Empfänger benötige, habe ich mich für das 9-Kanalset entschieden. Neben den obligatorischen Inhalten (Sender, Empfänger, deutsches Handbuch) liegt noch ein Ladegerät für Sender- und Empfängerakku bei sowie ein Akkuhalter für den Empfänger. Weiterhin ist ein Befestigungsset für die BODA-Antenne des Empfängers beigelegt (hierzu später mehr).

Standardmäßig ist der Sender mit einem 1300-mAh NIMH-Akku ausgerüstet. Dieser kann über die Ladebuchse des Senders mit dem mitgelieferten Ladegerät geladen werden. Alternativ kann ein 2-Zellen-LiPo für den Sender verwendet werden, dieser muss dann jedoch separat geladen werden.

Der Sender ist voll ausgebaut und hat folgende Funktionen:

  • 2 Kreuzknüppel, Digitaltrimmer
  • 2 seitliche Schieberelemente, die ohne Loslassen der Kreuzknüppel bedient werden können
  • 8 Schalter (5x 2-Wege, 2x 3-Wege, 1x Taster)
  • 3 Zusatztrimmer

Die Zuordnung dieser Bedienelemente zu den Funktionen kann man nahezu frei vornehmen, aber dazu später mehr.

Rückseitig ist neben dem Akkufach die Ladebuchse sowie der Lehrer-Schüler-Port vorhanden. Des Weiteren sichtbar eine Kuriosität der Anlage, die beim ein oder anderen verwunderten Anwender einen Aufreger wert war: Die Leitung vom (wechselbaren) HF-Modul zur Antenne verläuft nicht durch den Sender, sondern ist frei an der Rückseite des Senders entlang geführt! Die Verbindung macht jedoch einen ziemlich stabilen Eindruck (u.a. Führung in flexiblem Röhrchen statt bloßem Kabel), so dass dies für mich kein Hinderungsgrund für die Anschaffung des Senders war.

Am HF-Modul ist neben dem Knopf zur Steuerung des Binding-Vorgangs und des Reichweitentests auch ein Port für die Ausgabe der Telemetriedaten sowie dem Anschluss des Firmware-Programmierers vorhanden.

Ebenfalls auf der Rückseite vorhanden - Federspannungs-Einstellschrauben für alle 4 Kreuzknüppelrichtungen sowie 2 Einstellschrauben für Gas links/rechts. Ein Öffnen des Senders zum Mode-Umbau ist nicht notwendig, von daher ist es ziemlich verwunderlich, warum Mode 1 und Mode 2 in Deutschland getrennt vertrieben werden... Für den Gasknüppel kann zusätzlich noch die Stärke der Hemmung sowie die Rastung eingestellt werden. In Verbindung mit den mehrfach kugelgelagerten Kreuzaggregaten wird so eine sehr feinfühlige Modellsteuerung ermöglicht.

Die an beiden Seiten angebrachten Schieberegler sind - das war für mich wegen der Segelsteuerung für Boote ein wichtiges Kriterium - ohne starke Rastung, so dass sie sich feinfühlig bewegen lassen. Einziger Kritikpunkt: Es gibt keine härtere Mittelrastung, so dass das Erfühlen der Mittelstellung nicht einwandfrei möglich ist. Bei aktiviertem Ton gibt die Anlage jedoch beim Queren der Mittelstellung einen Piepston aus. Anmerkung: Laut Infos auf rcgroups.com werden künftige Produktionen der Anlage eine stärkere Mittelrastung besitzen.

Die Optima-Empfänger

Die BODA-Antenne

Als erstes fällt beim Auspacken eines neuen Optima-Empfängers die charakteristische BODA-Antenne auf. Die 6- und 7-Kanal-Empfänger sind mit einer dieser Antennen ausgerüstet, der 9-Kanal-Empfänger mit zweien. Der "Knubbel" an der Antenne sorgt dafür, dass die Antenne die sonst übliche Richtwirkung weitestgehend verliert, d.h. auch noch Empfang vorhanden ist, wenn die Antenne genau in Richtung Sender zeigt. Daher sind die Empfänger mit nur einer Antenne trotzdem als Full Range Empfänger freigegeben.

 

Die Montage der Antenne kann, wenigstens für das erste Modell, mit der mitgelieferten Montageschelle erfolgen. Diese verhindert wirkungsvoll das Umherfliegen der Antenne im Modell. Die schnell aufkommende Sorge, wie man den dicken Knubbel nach außen führen soll, kann man getrost vergessen. Wer die Antenne sicherheitshalber außerhalb des Modells verlegen will oder muss (bei Kohlefasermodellen notwendig), braucht nur das Endstück der Antenne nach außen legen, der Knubbel kann im Modell bleiben.

Der SPC-Anschluss

Ein weiteres wichtiges Novum bei den Optima-Empfängern ist der so genannte SPC (Supplementary Power Connection)-Anschluss. Dieser erlaubt es, neben dem Empfängerakku direkt den Antriebsakku (bis 38V) an den Empfänger anzuschließen. Dieser dient dann als 2. Stromversorgung für den Empfänger. Achtung: Versorgt werden lediglich der Empfänger sowie die Telemetrie-Sensoren. Die Servos werden nicht versorgt, d.h. die SPC-Anbindung ist nur in der Lage, Lastgrenzen z. B. durch zu viele gleichzeitig laufende Servos/leer werdenden Empfängerakku und die dadurch ggf. drohende Empfänger-Unterversorgung, zu kompensieren. Sie stellt nicht die Funktionsfähigkeit des Modells bei Komplettausfall des Empfängerakkus sicher! 

Der aus meiner Sicht wesentliche Grund für die Sinnhaftigkeit des SPC-Anschlusses ist der, dass die telemtriefähigen Empfänger über diesen Anschluss die aktuelle Spannung des Antriebsakkus an den Sender zurückmelden können. Ein kontrolliertes Leerfliegen des Antriebsakkus bis zu einer gewissen Schwelle (z. B. wegen Reserve für eventuelles Durchstarten) ist so ohne Probleme möglich.

Bedienung / Menüführung

Telemetrie

Ein gewichtiges Argument für viele Anwender der Aurora 9 ist sicherlich die Telemetrie-Funktion. Von Haus aus können die größeren Empfänger (Optima 7 und Optima 9) bereits die aktuelle Empfängerspannung, bei verwendeter SPC-Buchse statt dessen die Spannung des Antriebsakkus an den Sender zurückmelden. 

Die Anzeige erfolgt direkt im Display der Aurora, es kann zusätzlich im HF-Modul eine Warnspannung einprogrammiert werden, ab der der Sender anfängt zu piepen. Folgende Sensoren sind ab August in den USA verfügbar und sollen dieses Jahr auch in Deutschland lieferbar sein:

  • Die so genannte Sensor Station bildet die Schnittstelle zwischen dem Empfänger und den Sensoren. Bis zu 8 Sensoren können angeschlossen werden.
  • magnetische Drehzahlsensoren
  • optische Drehzahlsensoren
  • Temperatursensoren
  • Füllstandssensoren
  • GPS-Sensoren. Über diese können (grob) die Höhe sowie die Geschwindigkeit des Modells ermittelt werden.

Die Daten können in einem speziellen Displaymodus gemeinsam angezeigt werden oder über einen Port am HF-Modul auf einem Notebook ausgegeben werden. Inwieweit sich diese Funktionen als nützlich erweisen, so lange kein Modul zur akustischen Ausgabe existiert, werden die Erfahrungen der ersten Anwender zeigen. Ich kann mir ein häufiges Ablesen von Statusinfos auf dem Display derzeit nur schlecht vorstellen, wobei ich die Ausgabe der Akkuspannung sehr nützlich finde. Die Nutzbarkeit dieser Info werden die ersten Flüge zeigen. Was weitere Sensoren angeht, werde ich hier voraussichtlich erst einmal nicht zugreifen, sollte ich jedoch die Gelegenheit erhalten, diese einmal zu testen, berichte ich hier natürlich gerne über die Details!

Ansonsten bleibt abzuwarten, welche Sensoren und Zusatzfunktionen künftig hinzukommen. Wünschenswert fände ich hier einen druckbasierten Variobaustein und eine Box zur akustischen Aussgabe der Infos.

Ob die Übertragungsstrecke zwischen Empfänger und Sender später für interessierte Bastler auch für eigene Sensoren genutzt werden kann, ist meines Wissens noch offen. Der Entwickler, der zur Anlage und Fragen in rcgroups.com Rede und Antwort steht, wollte sich hierzu noch nicht definitiv äußern.

 

Fazit