Testbericht des Easy Glider Electric von Multiplex
von: Christian Bürger
Als Torsten auf mit den Worten auf mich zukam, "Kauf dir doch auch einen Easy Glider", war ich zunächst gelinde gesagt schockiert. Meine bisherige Vorliebe galt dem Fliegen einer 4m-ASW sowie meinem Heli, und jetzt sollte ich mir als anerkannter Holz- und GFK-Verfechter einen Schaumflieger anschaffen? Fliegenden Verpackungsmüll ;) ? Eigentlich war ich es doch gewöhnt, dass Torsten flugtechnisch recht gute Ideen hat...
Gesagt getan, deshalb verwarf ich die Idee nicht von vornherein, sondern erkundigte mich zunächst genauer über das Modell. Je mehr ich las, um so mehr musste ich Torsten zustimmen. Der ideale Spaßflieger schien gefunden. So kam es, dass kurz darauf eine Speditionslieferung mit 13 Easy Glider Electric für Torsten, mich und einige andere von unserem Platz eintraf...
Bauen des Easy Gliders
Nach dem Öffnen der Verpackung fiel positiv ins Auge, dass bis auf Sekundenkleber, Aktivator und Elektrik alles vorhanden ist, was man zum Bau des Easy Gliders braucht. Auch die sonst erhebliche Nebenkosten verursachenden Anlenkungen und Ruderhörner waren schon komplett vorhanden, ebenso das Getriebe sowie der Motor samt Luftschraube. Multiplex hat des WEiteren einen Dekorbogen beigelegt, der eine schnelle Verschönerung des ansonsten komplett in weiß gehaltenen Elapor-Modells verspricht.
Bei den wenigen Teilen schien ein Blick in die Bauanleitung eigentlich unnötig. Da mich jedoch interessierte, inwieweit Multiplex die Anleitung wirklich auf die Zielgruppe Modellbauanfänger ausgerichtet hat, nahm ich die Bauanleitung zur Hand und baute stur nach den Anweisungen. Im Vergleich zu meinen bisherigen Modellen wurde ich positiv überrascht. Die komplett in deutsch gehaltene Bauanleitung des Easy Gliders erklärt wirklich jeden Schritt, wobei besonders die Tipps an für Anfänger schwereren Stellen, z.B. zur geraden Montage des aus zwei Hälften bestehenden Rumpfes gefielen. Für jeden Schritt wird dabei angegeben, mit welcher Sorte Sekundenkleber man kleben und wie Aktivator eingesetzt werden sollte. Hier kann auch ein absoluter Neuling nicht viel falsch machen.
Auch die Detaillösungen gefallen:
- sehr gut gelöst ist die Idee, die Servos vor Montage der Rumpfhälften in die jeweilige Hälte zu stecken, so dass sie nach dem Zusammenkleben des Rumpfs sicher an der richtigen Stelle gehalten werden. Lediglich nach dem Defekt eines Servos muss ein wenig Elapor herausgeschnitzt werden, was bei mir beim Tausch des Höhenleitwerkservos sehr gut gelang,
- Für den erfahrenen Modellbauer ungewöhnlich wurden die Bowdenzüge für das Heckleitwerk fast komplett außen am Rumpf entlang verlegt. Hierfür hat Multiplex Nuten in der Außenwand vorgesehen, in die die Röhrchen exakt reinpassen, so dass lediglich ein bischen Sekundenkleber über die Röhrchen getropft werden muss, um einen sicheren Halt zu gewährleisten. So wird die Montage zum Kinderspiel.
- Der Motor wird durch eine Art Klemmstück aus Elapor gehalten. Sollte einmal ein Defekt vorliegen, lässt sich dieses Klemmstück einfach herunterdrücken und der Motor ausbauen. Wie wir später herausfanden, federt das Klemmstück außerdem beträchtliche Energien bei einem Absturz ab, so dass der Rumpf zusätzlich geschützt ist ;).
- Das Verlegen der Kabel in die Flächen geschieht in einem dafür vorgesehenen Schlitz, in den später der Elapor-Block eingesetzt wird, der auch den 1m langen Flächenholm aufnimmt. Ein lästiges Durchschieben des Kabels mit einem Draht o.ä. entfällt hierdurch.
Insgesamt macht der Easy Glider beim Bau einen sehr durchdachten Eindruck, so dass er problemlos an zwei Abenden fertiggestellt werden kann. Lediglich die Kabinenhaubenhalterung gefiel nicht ganz so gut, da die hier verwendeten Laschen schnell ausleihern. Mit selbstklebendem Klettband als Ersatz lässt sich hier schnell Abhilfe schaffen.
Wer nicht mit dem Dekorset Vorlieb nehmen will, kann den Easy Glider mit Acryllack lackieren. Die Modelle links im Bild wurden auf diese Weise eingefärbt. Der Easy Glider mit Kunstflugoptik (Siehe in der Video-Section) wurde mit Edding bemalt
Zum Auswiegen reicht es i.d.R., den Akkupack in der dafür vorgesehenen Wanne zu verschieben. Die Wanne ist von der Breite so ausgelegt, dass der Akku darin klemmt, so dass keine zusätzliche Sicherung erforderlich ist.
Flugeigenschaften
Der Erstflug verlief unspektakulär. Das nach den Angaben der Bauanleitung eingestellte Modell stieg sofort nach dem Wurf schnurgerade Richtung Himmel. Die Leistung des Standardmotors erlaubt dabei einen zwar nicht allzu steilen, jedoch stetigen Steigflug. Da an dem Tag des Erstflugs ein Bart in der Nähe des Startplatzes stand, war direkt ein sehr ausgedehntes Fliegen möglich. Die Folgsamkeit ist um sämtliche Achsen gefällt beim Easy Gliders, insbesondere die Folgsamkeit beim Benutzen des Seitenruders, die sehr enge Kurven zulässt. Im Eifer des Gefechts musste ich beim Thermik-Fliegen direkt die Fähigkeit zum schnellen Höhenabbau ausgetesten. Hier bieten sich beispielsweise Steilspiralen an, die der Easy Glider ohne Weiteres wegsteckt. Lediglich bei dem von mir vom Hotliner-Fliegen durchgeführten Sturzflug aus Sichtgrenze mit anschließendem Abfangen bog sich die Fläche deutlich durch, jedoch ist dies auch nicht unbedingt das Spezialgebiet eines eher für Anfänger ausgelegten Flugzeugs ;). Schäden hinterlassen hat die Aktion dabei übrigens nicht.
Auch diejenigen unter unserer Bestellgruppe, die praktisch blutige Anfänger waren, kamen unter Anleitung der erfahreneren Piloten sehr schnell mit den Easy Glidern zu schönen Flügen. Dabei verzeiht der Easy Glider auf Grund des Elapors auch härtere Landungen. Lediglich der Rumpfboden sieht nach Landungen auf rauhem Untergrund (Bei uns z.B. die Abraumhalde) schartig aus. Wer hier von Anfang an ein breites Klebeband unter den Rumpf klebt, verhindert auch diese Macken. Die Fähigkeit des Easy Gliders, Crashs wegzustecken, ist beispielsweise auf den Outtakes des Videos vom Naturlimbo-Fliegen zu sehen. Alle diese Aufnahmen sind ohne Reparaturen enstanden, selbst nach dem Frontalcrash mit dem Baum war der Easy Glider noch zu fliegen, lediglich ein Querruder-Servo hatte danach aufgegeben ;).
Von erfahreneren Piloten lässt sich mit dem Easy Glider auf Grund seiner Wenidkeit als Turn- und Spaßgerät viel machen, wie auf den teilweise schon auf dieser Seite veröffentlichten Videos auch zu sehen ist (weitere werden in den nächsten Tagen folgen ;) ). Limbofliegen stellt mit Stäben aus dem Drachenladen kein Problem dar, auch Schlepps eines ferngesteuerten Modellfallschirmspringers wurden schon mit dem Originalantrieb (!) durchgeführt.
Fazit
Meine anfängliche Skepsis gegenüber dem Material Elapor ist seit dem Easy Glider vollkommen verflogen. Der Spaßfaktor bei uns auf dem Platz (Wie wärs mit Baumlimbo? Schafft man es, vom Hangfliegen zum Auto ohne Landen zu kommen, obwohl ca. 50 m Hohlweg durch den Wald dazwischen liegen? Wollten wir nicht immer mal Fuchsjagd machen?) ist bei uns seit der Verbreitung des Easy Gliders mächtig angestiegen, da der Flieger solche Aktionen auch im Falle eines Fehlschlages gut wegsteckt. Einige Kleinigkeiten sind für den erfahreneren Piloten sicherlich interessant, z.B. ein stärkerer Holm oder ein anderer Motor (in unserem Fall ein Ditto-Motor). Viele schöne Flüge haben wir aber auch mit Easy Glidern in der out-of-the-Box-Austattung erleben können.
Das Modell ist somit für Anfänger sowie als Spaß- und Feierabend-Modell für erfahrene Piloten uneingeschränkt weiterzuempfehlen!