Modellbau-Telemetriesystem von ELV

Das Modellbau-Telemetriesystem von ELV, bestehend aus dem Sender VAT 300 sowie dem Empfänger VAM 300 stellt auf Grund seines geringen Preises (derzeit ca. 100 €) einen günstigen Einstieg in den Bereich der Modellbauvarios dar. Ob und wie weit die Funktionen überzeugen, wollte das Modellbauvideos.de-Team mit dem vorliegenden Set testen.

Packungsumfang

Die Packung enthält neben dem Sender und Empfänger Ohrhörer, um die Mitmenschen nicht mit dem Piepen der Variofunktion zu stören. Benötigt werden noch ein 9V-Block zum Betrieb des Empfängers sowie ein freier Steckplatz im Empfänger zur Versorgung des Senders. Wer die Geschwindigkeitsmessfunktion mit nutzen will, kann einen entsprechenden Sensor für das Gerät separat erwerben (VAT 300 GS). Beim Empfänger fällt sofort der fehlende Gürtelclip auf, bei einem Gerät dieser Größe hätte ich einen solchen erwartet. Der Sender hat die Abmessungen 40 x 13 x 55 mm und wiegt 28g.

An einem langen Draht (ca. xxx m) ist der Temperatursensor befestigt, so dass ein Messen z. B. der Motortemperatur auch bei großem Einbauabstand möglich ist. Der Sender wird über DIP-Schalter auf einen von vier möglichen Kanälen eingestellt, beim Empfänger ist dies softwareseitig möglich.

Funktionsumfang, grundlegende Bedienung

Das Set verfügt über folgende Funktionen:

  • Höhenmessung
  • Temperaturmessung über einen Sensor
  • Akkuspannungsüberwachung
  • Geschwindigkeitsmessung über optionalen Sensor

Die Bedienung Vario-Altimeters geht dank übersichtlicher Menüstruktur einfach von der Hand. In Verbindung mit der ausführlichen Bedienungsanleitung erschließen sich dem Besitzer schnell alle Funktionen. Für alle gemessenen Daten lassen sich jeweils Schwellenwerte angeben, deren Über-/ oder Unterschreiten über eine Hell/Dunkel-Tonkombination ausgegeben wird. Alle Tonkombinationen sind übersichtlich auf einer Seite der Bedienungsanleitung dargestellt, so dass diese sich schnell einprägen lassen. Die Anzeige des VAM 300 lässt sich dank eines großen Displays einfach ablesen, auch bei direkten Sonnenlicht ergeben sich keine Probleme.

Während sich der Nutzen der Akkuspannungsüberwachung sowie des externen Temperatursensors für die Messung von Akku- oder Motortemperatur schnell erschließt, wird im Folgenden auf die Höhenmessung genauer eingegangen.

Neben der Anzeige der aktuellen Höhe mit Alarmfunktion bei einer vorher eingestellten Höhenmarke, z. B. für das Ausklinken bei Segel-Wettbewerben, sowie dem Speichern der Maximalhöhe verfügt das Gerät von ELV über eine Art Vario-Funktion. Der gewünschte Modus lässt sich dabei über das Menü einstellen. Entweder wird das Über- bzw. Unterschreiten einer 10m-Marke akustisch signalisiert, oder das Gerät signalisiert durch helle bzw. dunkle Töne  Steigen oder Sinken mit mehr als 1m/s.

praktischer Einsatz

Nach dem Einschalten von Sender und Empfänger finden sich die Geräte nach wenigen Sekunden Initialisierung ohne Probleme. Der Sender wurde in einer 3,5m-PIK 20 mit Elektromotor verbaut, da bei dieser bei ihrem Erstflug die Motortemperatur überwacht werden sollte (Ich hatte keine Lüftungsschlitze für den Motor vorgesehen, war aber nicht sicher, ob sich ein Wäremestau in der Rumpfspitze entwickeln würde).

Eben schnell eine Maximalhöhe von 300m sowie eine Motor-Maximaltemperatur von 70 °C sowie die Ausgabe von Steigen und Sinken eingeben, und einige Minuten abwarten, um den Sensor auf Drift zu kontrollieren. Nach der Pause zeigte der Empfänger weiterhin 0m Höhe an, eine Drift war nicht festzustellen. Also alles startklar machen, Empfangsgerät unterbringen - doch wohin mit dem voluminösen Gerät ohne Gürtelclip? Gott sein Dank habe ich die "Flugplatzhose" mit den großen Seitentaschen an, sonst wäre eine Unterbringung schwierig, eine Liegenlassen auf dem Boden dank zu kurzem Ohrhörerkabel schwierig. Hier muss dringend ein Clip nachgerüstet werden, aber wozu sind wir Modellbauer?

Nach dem Start unter Motor gab das Vario leicht verzögert Steigen aus, und unter gleichmäßigem hellen Piepen folgte der Steigflug, in der Hoffnung, zunächst durch die Ausgabe der Maximalhöhe und nicht der Maximaltemperatur unterbrochen zu werden. Didididüdi - juhuu, 300m erreicht, ohne den Motor zu heiß werden zu lassen. Motor aus, Übergang in den Segelflug, alles ok. Jetzt interessiert doch, wie warm der Motor wirklich geworden ist. Also ELV-Empfänger aus der Tasche ziehen, auf die Taste für die Temperaturanzeige drücken, ablesen - unter 50 °C. Trotz der guten Lösung, alle Anzeigen über den Druck auf eine eigene Taste abzulesen, statt über das vielfache Drücken einer einzigen Taste, hat der ganze Vorgang einige Sekunden gedauert. Ein Ablesen von Werten ist also nur bei großen, trägen Modellen zu empfehlen, ansonsten sollte man sich auf die akustische Ausgabe verlassen. Bei der Temperaturmessung vermisse ich eine Speicherung der Maximaltemperatur analog er Maximalhöhe, die solche akrobatischen Einlagen vermeiden würde.

Kurzerhand übernimmt Torsten den Empfänger, um ein Ablesen auch während des Fluges zu ermöglichen. Wieder konzentriert auf das Segeln, ging es nach kurzem Eingewöhnen auf Thermiksuche. Nach dem Durchfliegen einer auch akustisch angezeigten Abwindzone sah es so aus, als ob das Modell leicht steigen würde. Testweise einige Kreise, das Modell steigt wirklich. Laut Torsten habe ich nach einiger Zeit auch ein paar Höhenmeter gewonnen, ohne jedoch durch Piepen auf die Thermik aufmerksam gemacht worden zu sein. 

Da die Thermik an dem Tag recht schwach war, wurde die Pik noch einmal auf ca. 350m gebracht, bei einem Winkel von ca. 45° zum Grund. Da ELV für das Set eine Reichweite von 500m angibt, sollte sich die PIK 20 so dicht an Reichweitengrenze befinden. Im Display zeigte der Empfänger noch volle Empfangsstärke an, die Reichweite stellt somit kein Problem da!

Weitere Flüge zum Testen der Variometer-Funktion ergaben, dass jedenfalls von uns Thermik meist auch unter der Toleranzschwelle des Gerätes gut visuell erkannt wird, so dass die Funktion in der verfügbaren Auflösung nur in bestimmten Situationen von Nutzen ist. Hilfreich ist die Variometer-Funktion z. B. bei Flügen fast senkrecht über dem Piloten, wo das Einschätzen der Steigrate visuell nahezu unmöglich ist. Dadurch, dass entweder Steigen oder Sinken durch 2 verschiedene Töne ausgegeben wird, jedoch keine Abstufungen erfolgen, wird ein Zentrieren der Thermik durch das Gerät nicht ermöglicht. Durch akustische Ausgabe der 10m-Linien ist jedoch eine bedingte Einschätzung möglich, ob es sich lohnt, in einem Schlauch zu bleiben.

Ein Erkennen der anderen akustischen Signale, wie Maximalhöhenschwelle, Temperatur und Akkuspannung stellt nach kurzer Übung kein Problem dar, insbesondere mit der Unterspannungswarnung kann ich bei einem Modell wie der PIK 20 mit 6 Servos weitaus beruhigter fliegen.

Fazit

Das vorliegende Set überzeugt angesichts des geringen Preises mit einer Vielzahl an Funktionen, jedoch müssen Abstriche bei der Auflösung des Varios gemacht werden. Besser zum Termiksuchen eignen sich genauere Varios, die jedoch auch deutlich teurer sind. Hat man einen hilfsbereiten Modellbau-Kollegen, der die Höhe in kurzen Abständen vorliest, ist teilweise auch das Erkennen schwacher Thermik möglich. Trotzdem wird beim ambitionierten Segelmodellflieger für das Erkennen auch schwacher Bärte bald der Wunsch nach höherer Genauigkeit sowie einer abgestuften Anzeige von Steigen und Sinken aufkommen.

Wer das Gerät nicht primär als Vario einsetzen will, sondern eher die Funktionen Höhenmesser, Spannungsanzeige sowie Temperatursensor mit den entsprechenden Warnschwellen nutzen will, kann bei dem vergleichsweise geringen Preis des Sets VAT 300/VAM 300 getrost zugreifen. Insbesondere der Temperatursensor mit Echtzeitübertragung ist bei den anderen Varios eher die Ausnahme, rundet jedoch die Datenrückmeldung insbesondere bei der Antriebsoptimierung im Zusammenspiel mit der Höhenanzeige für die Ermittlung der Steigleistung zusätzlich ab.